Artist Statement

"Das Bild ist ein offenes Geheimnis."

Maja Bogaczewicz

Wechselwirkungen
 

Mein eigenes Bild stellt für mich selbst nicht selten ein offenes Geheimnis, eine Art visuelles, unlösbares Rätsel dar. Es entwickelt sich von einer Anfangsidee zu einem überraschenden Ensemble von Farben, Formen und Raumschichten hin, die von ihrer Wirkung her prägnant erscheinen und sich trotzdem einer eindeutigen Verbalisierung entziehen, weil die Bildelemente in verschiedene Art und Weise miteinander verknüpft und somit immer wieder aufs Neue gesehen und gedeutet werden können. Diese Art von Wirkung wird durch ungewöhnliche visuelle Verknüpfungen, Wiederholungen sowie Überlappung von Bildelementen und damit verbundene Dekonstruktion der Formen und  Inhalte erzeugt.

 

Die Realität, die wir sich die Menschen erschaffen haben, mit allen ihren mentalen und materiellen Facetten, nehme ich als eine Art komplexes Gewebe wahr, wo alle Dinge, Gedanken und deren Zustände zusammen hängen, sich gegenseitig beeinflussen und stets ineinander fließen. In diesen vielschichtigen, von Reizen aller Art überfluteten, schnelllebigen Zeiten werden die Übergänge zwischen den einzelnen Ereignissen teilweise nicht mehr erkennbar und die größeren Zusammenhänge gehen im Alltag öfters komplett verloren. All das, sowie die zunehmende Automatisierung des Lebens, führt uns Menschen zu einer krank machenden Trennung vom natürlichen, fördernden Umfeld und unserem fühlenden Selbst. Durch eine angelernte Vereinfachung des Wahrgenommenen und Verdrängung der Tatsachen versuchen wir uns in eine trügerische Sicherheit zu bringen, die keinerlei Weitsicht zeigt. Tatsache die Rutine bleibt bestehend.

 

Obwohl unsere globale Welt und der "normale" Alltag zersplittert, vieldeutig und unfassbar wirken, gibt es darin auch Augenblicke und Zustände, in deren viele auf den ersten Blick getrennte Dinge zu einem endlosem, faszinierendem Ganzen letztendlich zusammenfallen und in eine fast magische, quasi natürliche Art und Weise verknüpft erschienen. Diesen Zwiespalt zwischen der zerreißenden Komplexität und der Einheitserfahrung der Welt - das überraschende Spiel des Lebens, möchte ich in meiner Arbeit spielerisch und überraschend zum Ausdruck bringen und somit die eine oder andere Frage über unsere Wahrnehmung, Handlungen und Zukunft aufwerfen. Meine Kunst soll dabei ein lebendiges Zeichen setzen. Sie plädiert für einen bewussten Alltag, der das unnötige Leiden und Angst mit Ruhe, Mut, Kreativität und Mitgefühl überwinden vermag. Zu den Themen, die in meiner Arbeit wiederkehren gehören Transformation, Vergänglichkeit, Lebenswille und Freiheit.

Gegensätze und Ähnlichkeiten

Abstraktion und Figuration, Grafik und Malerei, Struktur und Zufall, Ruhe und Bewegung, Natur und Technik – diese Gegensätze bilden Spannungsfelder, die meine künstlerische Arbeit gestalten. Sie beinhalten Motive, die mich seit der Studienzeit beschäftigt und sich damals im Laufe meiner Auseinandersetzung mit der Technik der Ätzradierung herauskristallisiert haben. Die Technik des Tiefdrucks mit Anwendung verschiedener Ätzverfahren, die völlig unterschiedliche Wirkung erzielen, macht es möglich in einem Werk sowie innerhalb eines Bildzyklus ganz unterschiedliche Texturen interessant zu kombinieren. Mein Vorgehen bezüglich der Bildsprache, die sich als Kombination mehrerer technischen Verfahren und Schaffensmethoden entwickelt hat, brachte Prof. Marcin Pawlowski in folgenden Worten zum Ausdruck:

At times, the form a picture is culmination of a long and arduous realization process dominated by precision and concentration; at others physical manifestation of a single gesture or choice referring to, for example, a sheer coincidence. However, this duality of attitude, continuously present in Maja Bogaczewicz’s art, confirms and characterizes extraordinary and overriding consistency of her every move (...). 

All of the “Inner Exercises” exist on the verge of abstract and realistic thinking (assuming the terms’ conventional meanings). Their strong and often troubling artistic expression stems from, among other things, allusive character of the successive depictions. (…) Every piece of the cycle is capable of bringing the viewer to an exquisite depth of emotional involvement, perhaps even involuntarily drawing him or her into an exploration of the artist´s source of inspiration. (Übersetzung aus dem Polnischen: Ewa Duszkiewicz & Casey Jones)